Jetzt mit 1500 Artikeln von Aal bis Zypern in besonders einfacher Sprache.

Reichstag

Aus MiniKlexikon - das Kinderlexikon für Leseanfänger
Version vom 23. Mai 2022, 23:31 Uhr von Sophie Elisabeth (Diskussion | Beiträge) (Kopiert von https://klexikon.zum.de/index.php?title=Reichstag&oldid=143034)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Der Reichstag des Heiligen Römischen Reiches. Er traf sich seit dem Jahr 1663 in Regensburg, einer Stadt in Bayern. Als Deutschland viel später ein modernes Parlament erhielt, wollte man dafür einen alten Namen haben. Darum nahm man das Wort „Reichstag“.

Das Wort Reichstag kommt aus der deutschen Geschichte. Reichstage kennt man außerdem auch in anderen Ländern. Gemeint ist meistens ein Ort, an dem sich bestimmte wichtige Leute treffen. Es kann auch der Name eines Parlamentes sein. So ein Parlament entscheidet über die Gesetze eines Landes.

In Deutschland denkt man bei den Reichstagen vor allem an zwei Dinge. Im Mittelalter und danach war der Reichstag das Treffen von Kaiser, Fürsten und anderen wichtigen Menschen. Als Deutschland schließlich ein einiger Staat wurde, hieß sein Parlament Reichstag. Heute ist das der Bundestag. Wer heute vom Reichstag spricht, meint damit meist das Gebäude in Berlin, in dem der Bundestag arbeitet.

Auch andere Länder kennen einen Reichstag. So heißt heute das Parlament von Schweden. Auf Schwedisch sagt man „Riksdag“. In Österreich gab es einen Reichstag in der Revolution des Jahres 1848. Später hieß auch das Parlament von Ungarn Reichstag, auf Ungarisch: „Magyar Országgyűlés“.

Wie sah der alte deutsche Reichstag aus?

Im Jahr 1530. Der Reichstag trifft sich in Augsburg und spricht über die Reformation. Links sieht man den Thron für Kaiser Karl den Fünften.

Dort, wo heute Deutschland und andere Länder liegen, war früher das Heilige Römische Reich. Dieses Reich gab es rund tausend Jahre lang, bis zum Jahr 1806. Das Reich hatte einen Kaiser und außerdem die Stände: Das waren weitere wichtige Könige und Fürsten. Hinzu kamen einige besonders wichtige Städte.

Die Stände wollten, dass der Kaiser nicht alles allein bestimmen konnte. Darum wollten sie den Kaiser von Zeit zu Zeit sprechen. Aber auch der Kaiser fand es gut, die Stände zu treffen. Manchmal brauchte er nämlich ihre Hilfe.

Am Anfang des Reiches, als Karl der Große herrschte, lud der Kaiser wichtige Leute an seinen Hof. Aus diesen Hoftagen wurden dann die Reichstage. Sie dauerten einige Wochen oder Monate. Der Kaiser rief so einen Reichstag in einer bestimmten Stadt zusammen. Seit dem Jahr 1663 gab es einen ständigen Reichstag, und zwar in der Stadt Regensburg.

Ein Reichstag war wichtig, damit die Herrscher sich trafen und verständigten. Aber ein Reichstag traf auch Entscheidungen. So beschloss der Reichstag von Worms im Jahr 1495 den Landfrieden. Seitdem durften die Herrscher im Reich nicht mehr einander bekämpfen. Wenn sie Streit hatten, mussten sie zu einem Gericht gehen.

Warum gab es später noch einen Reichstag?

Im Reichstagsgebäude im Jahr 1906. Die Mitglieder des Parlaments, die Reichstagsabgeordneten, haben gerade eine Sitzung, ein Treffen.

In den Jahren nach 1800 wollten viele Deutsche einen einigen deutschen Staat. Dazu kam es schließlich in den Jahren 1867 bis 1871. Der neue Staat hatte einen Kaiser, einen Kanzler, einen Bundesrat und einen Reichstag. Der Bundesrat und der Reichstag beschlossen die Gesetze gemeinsam.

Der Reichstag war das Parlament. Das Deutsche Kaiserreich war in Wahlkreise aufgeteilt. Wenn man im Wahlkreis wohnte und ein erwachsener Mann war, dann durfte man wählen. So bestimmten die Wahlkreise, welcher Mann sie im Reichstag vertrat. Schon damals gab es Parteien, die ihre Leute in Wahlkämpfe schickten.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Deutschland die Weimarer Republik. Das Parlament hieß immer noch Reichstag. Neu war, dass seitdem auch Frauen wählen durften. Allerdings waren viele Leute mit der Republik unzufrieden. Sie wählten extreme Parteien wie die Nationalsozialisten und die Kommunisten. Seit dem Jahr 1932 konnte der Reichstag darum kaum noch etwas entscheiden, weil es im Parlament keine Einigkeit gab. Das war ein wichtiger Grund, warum die Nationalsozialisten die Republik zerstören konnten.

Wann spricht man heute noch vom Reichstag?

Am Reichstagsgebäude in Berlin sieht man viele Verzierungen und Statuen. Im Ersten Weltkrieg kam eine große Inschrift dazu: „Dem Deutschen Volke“.

Im Jahr 1894 wurde in Berlin ein neues Gebäude fertig. Das neue Gebäude war für den Reichstag da und heißt deshalb Reichstagsgebäude, auch heute noch. Der Architekt war Paul Wallot.

Im Jahr 1933 wurde Adolf Hitler deutscher Reichskanzler, der Chef der Regierung. Kurz darauf brannte das Reichstagsgebäude. Bis heute ist man nicht ganz sicher, wer ihn angezündet hat. Am Tatort fand die Polizei den niederländischen Arbeiter Marinus van der Lubbe, der angeklagt wurde. Manche vermuten, dass die Nationalsozialisten selbst den Reichstag in Brand gesetzt hätten. Noch heute streitet man sich darüber, ob Van der Lubbe allein der Täter sein konnte.

Die Nationalsozialisten behaupteten jedenfalls, dass das die Kommunisten getan hätten. Das war für sie der Anlass, die Kommunisten zu verfolgen, aber auch viele andere Politiker. In der Zeit des Nationalsozialismus traf der Reichstag sich in einem anderen Gebäude, der Krolloper. Macht hatte dieser Reichstag aber nicht mehr.

Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg weiter zerstört. Man hat es schließlich wieder aufgebaut. Im Jahr 1990 kam dann die Deutsche Wiedervereinigung. Die Politiker im Bundestag beschlossen, dass Berlin wieder die Hauptstadt Deutschlands sein soll.

Das Gebäude des Reichstags wurde neu umgebaut, damit dort der Bundestag arbeiten kann. Im Jahr 1999 zogen die Politiker des Bundestags nach Berlin um. Seitdem trifft sich der Bundestag im Reichstagsgebäude, viele Leute sagen auch kurz „im Reichstag“.